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Wie weiblich wird die Zukunftshauptstadt Berlin?

Die Fraktionen SPD, GRÜNE und LINKE haben sich in ihrem Koalitionsvertrag an vielen wesentlichen Punkten zur Gleichstellung als übergeordnetem Thema bekannt. Doch gleichzeitig fehlt an wichtigen Stellen die Konkretisierung, insbesondere beim Thema Wissenschaft.

News vom 08.12.2021

Gleichstellung in der Wissenschaft

Das Berliner Chancengleichheitsprogramm soll verstetigt werden. Ein wichtiger Schritt, den die LakoF seit Jahren gefordert hat. Denn ein Frauenanteil von 50% auf allen Funktionen und in allen Professuren der Berliner Hochschulen ist noch lange nicht erreicht. Und dies, obwohl die Umsetzung tatsächlicher Chancengleichheit verfassungsrechtlich geboten ist.

Welche weiteren konkreten und strukturellen Maßnahmen in der kommenden Legislaturperiode angegangen werden, um dieses Ziel zu erreichen, wird im Koalitionsvertrag nicht ausgeführt. Eine neue Chance bieten die gemeinsamen Professuren zwischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen, wenn Gleichstellung als Qualitätskriterium berücksichtigt wird.

Ebenso bleibt offen, wie der seit 2020 bekannte Gender Pay Gap bei Berliner Professuren behoben werden soll, die LakoF hat hierzu die Einbindung und Information der Frauen- und Gleichstellungsbeauftragten in die Berufungsverhandlungen vorgeschlagen.

Ziel Digitalisierung

Die Koalition wird die Berliner Digitalstrategie unter Beteiligung von Frauenprojekten geschlechtergerecht gestalten. Sie nennt hier konkrete Maßnahmen: Würdigung von Frauen in der Berliner Geschichte, Absicherung von Beratungsstellen und Coaching von Frauen sind die Hauptziele. Digitalisierung geschlechtergerecht gestalten bedeutet aber auch, die strukturelle Diskriminierung von Frauen anzugehen!

Dazu brauchen wir 1. eine grundlegende Änderung bei der Betrachtung und Bewertung von technischen Entwicklungen und ihren Finanzierungskonzepten. Wir brauchen 2. innovative Forschung und Forschungsförderung, die geschlechtersensibel ist und intersektionale Ansätze berücksichtigt. Wir brauchen 3. einen 50% Anteil von Frauen in den Kernfächern der IT. Und 4.: Auswahlgremien müssen paritätisch besetzt werden, Förderkriterien müssen angepasst werden, die Entwicklung von Apps muss gemeinwohlbasiert erfolgen und Personas müssen bei der Nutzer*innenführung diskriminierungsfrei gestaltet werden.

Der dritte Gleichstellungsbericht des Bundes zur Geschlechtergerechten Gestaltung der Digitalisierung zeigt bereits, was nötig und möglich ist. Hier muss Berlin noch weiterkommen!

Der Koalitionsvertrag enthält gleichstellungspolitische Meilensteine; dazu gehört der verbindliche Entgeltgleichheitscheck in den Verwaltungen und landeseigenen Betrieben, das Festhalten an einem Paritätsgesetz und die konsequente Weiterentwicklung des Gender Budgetings. Mit diesen Konzepten sind die Parteien angetreten und es ist gut, dass sie nun mit allen Kräften angegangen werden. Es bewegt sich etwas in der Gleichstellung! Gleichzeitig bleibt der Koalitionsvertrag bei relevanten Punkten vage und ist damit wenig zukunftsweisend. Die LakoF Berlin hat Ideen und Expertise den Wissenschaftsstandort Berlin gleichstellungspolitisch noch profilierter aufzustellen.
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